Die Streuobstwiese

Die Streuobstwiese: Musterbeispiel für biologische Vielfalt

Seit mehr als 2.000 Jahren gehören Streuobstwiesen zur mitteleuropäischen Kulturlandschaft. Da wundert es nicht, dass wir bei „Hin zum MEHR“ ein besonderes Augenmerk auf dieses traditions- und artenreiche, eng mit unserer Region verbundene Kulturgut legen. Im Übergang von Siedlungs- und Agrarflächen zum Wald gelegen, führen Streuobstwiesen deutlich vor Augen, was biologische Vielfalt bedeutet: Auf ihnen kommen bis zu 3.000 Tierarten und 2.000 Pflanzenarten vor. Im Gegensatz zum Obstanbau in Plantagenform stehen hier einzelne, größtenteils starkwüchsige, hochstämmige Obstbäume mit ausladenden Kronen. Der Baumbestand auf solch einer Wiese setzt sich meist aus verschiedenen Arten – zum Beispiel Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Walnussbäumen – und Sorten sowie Alters- und Größenklassen zusammen. Das bedeutet für viele Tiere ein reichhaltiges Nahrungsangebot, zum Beispiel für Vögel und die für die Bestäubung der Obstbäume unverzichtbaren Wildbienen.

Weiße Blüten eines Apfelbaums

Häufig haben die Obstbäume auch natürliche Baumhöhlen; diese gelten als ausgesprochen wertvoll, da sie beispielsweise Fledermäusen, Siebenschläfern und Vögeln wie dem Wendehals Unterschlupf bieten und zur Aufzucht ihrer Jungen dienen.

Entscheidend für die Vielfalt auf der Streuobstwiese ist das Ausbleiben einer regelmäßigen, starken Düngung. Für eine extensive Form der Bewirtschaftung - mit möglichst wenigen chemischen und maschinellen Eingriffen in die natürlichen Verhältnisse - setzen manche Streuobstwiesenbesitzer auch Schafe oder Ziegen für die Beweidung ein.

Mangels Pflege und zu geringer Neupflanzungen ist der Bestand an Obstbäumen allerdings überaltert und gefährdet. In den vergangenen 75 Jahren sind mindestens 70 Prozent der Obstbäume aus unserer Landschaft verschwunden; die verbliebenen, meist ortsnahen Restbestände sind durch die Ausweisung von Wohn- und Gewerbegebieten, durch Straßenbau und die Umwandlung in Ackerflächen bedroht.

Äpfel an einem Apfelbaum

Am Beispiel der Streuobstwiese zeigt sich, wie bedeutend der Erhalt artenvielfältiger Lebensräume ist. Sie macht auch eindrücklich, wie durch ein natürliches Zusammenspiel von Flora und Fauna qualitativ hochwertige Lebensmittel entstehen können, wie geschmacksintensiver Apfelsaft und Apfelwein. Gehen die Streuobstwiesen verloren, verlieren wir ein wichtiges Stück hessisches Kulturgut – und einen einmaligen Naturraum.

Einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiese und damit zum Erhalt der biologischen Vielfalt leisten aktive Streuobstwiesenbesitzerinnen und -besitzer: indem sie ihre Äpfel zum richtigen Zeitpunkt ernten und zur Kelterei bringen. Denn die Pflege der Obstbäume – zu der auch die Nutzung der Äpfel zählt – verhindert, dass dieser besondere Kulturraum „verwuchert“. Nur auf einer extensiv bewirtschafteten Streuobstwiese gibt es eine Strukturvielfalt, gibt es zum Beispiel Licht und Schatten und daraus resultierend Feucht- und Trockenbiotope als Lebensräume für die unterschiedlichen Arten von Flora und Fauna.

 

 

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